Bypass Brücken Linz - Woschitz Group

Bypass Brücken zur VOEST Brücke in Linz

Die VOEST Brücke in Linz ist Teil der A7 Mühlkreis Autobahn, auf ihr überqueren täglich etwa 100.000 Fahrzeuge die Donau. Es handelt sich um einen der meistbefahrenen Straßenabschnitte Österreichs.

Nach annähernd 50 Jahren Betrieb ist die absehbare Sanierung der VOEST Brücke bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Verkehrs nicht möglich. Da eine Brückenverbreiterung technisch nicht möglich ist entschied sich die ASFINAG dazu, auf beiden Seiten der VOEST Brücke je eine zusätzliche Brücke zu errichten, um während der anstehenden Instandsetzung den Verkehr der A7 über diese Brücken führen zu können. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten dienen die zusätzlich errichteten Brücken der Entflechtung des Verkehrs sowie der Auf- und Abfahrt auf die A7 und bilden einen “Bypass“ zur VOEST Brücke.

  •             Länge der VOEST Brücke: 407m
  •             Hauptöffnung mit freier Spannweite von 215m
  •             Pylon Höhe 66 m, mit jeweils drei parallelen Seilen abgespannt
  •             6 Fahrstreifen, durch Pylon in zwei Richtungsfahrbahnen getrennt.

 Auf Grundlage des von der ASFINAG verfassten Leitkonzept Gestaltung Brücke wurde ein EU-weit offener, einstufiger Realisierungswettbewerb für Planungsteams aus Architekten und Tragwerksplanern für den Entwurf der beiden Bypassbrücken ausgeschrieben. Aus 17 Entwürfen wurde das Projekt der Arbeitsgemeinschaft BERNARD Ingenieure – RWT+ – SOLID architecture von einer international besetzten Jury zur Realisierung ausgewählt.

Die beiden Bypassbrücken wurden als Schrägseilbrücken mit Pylonen konzipiert. Sie nehmen die klare, reduzierte Formensprache der VOEST Brücke auf und bilden mit dieser eine Brückenfamilie. Die Bypassbrücken sind als dreifeldrige Schrägseilbrücken mit Spannweiten von 85m, 132m und 72m bzw. 60m geplant. Die Schifffahrtsrinne der Donau führt durch das 132m breite, mittlere Brückenfeld. Dieses Feld wird durch eine doppelte Abspannung mit Schrägseilen unterstützt. Spannseile führen die Zugkräfte über den Pylon zu dem am Donauufer situierten Auflager, in dem deren Ableitung über ein Zug-Druck-Pendel erfolgt.

Die jeweils 36m hohen und 100 Tonnen schweren Pylonen wurden in zwei Teilen angeliefert, mittels Kran in Position gebracht, verschweißt und danach weiß gestrichen. Sie besitzen einen rechteckigen Stahlquerschnitt, der biegesteif mit dem Brückendeck verbunden ist. Für die Montage der Spannseile sind im Kopf eines Pylons jeweils vier Seilverankerungen eingesetzt (Festanker). Ihr Gegenstück bilden Verankerungen in Seilkästen, die in den Brückenquerschnitt integriert sind – von dort erfolgte das Vorspannen der Seile in zwei Etappen. In weißen Hüllrohren laufen pro Abspannung 91 Drahtseile, insgesamt wurden für beide Bypassbrücken 1.486 km Drahtseil mit einem Gesamtgewicht von 232 Tonnen verarbeitet.

Der Brückenquerschnitt ist 17,15m breit, im Minimum 3,50m hoch und besteht aus einem zweizeiligen Stahlhohlkasten mit beidseitigen Kragarmen. Der Abstand der Bypassbrücken zur VOEST Brücke beträgt jeweils 6m. Nach dem Zusammenfügen der mit Tiefladern angelieferten Stahlelemente der Brückenquerschnitte am flussabwärts gelegenen Vormontageplatz wurden die 100 m langen und bis zu 1.500 Tonnen schweren Tragwerksteile auf schwimmende Plattformen überführt, zu den Pfeilern eingeschwommen und dort mit Presstürmen gehoben und auf den Lagern abgesetzt. Die Ableitung der Kräfte dieses Stahlüberbaus in die Pfeiler erfolgt über Topflager, wobei der Fixpunkt der Tragstruktur in der Achse des Pylons liegt.

In Brückenachsen, in denen Tragwerke aus Stahl und Stahlbeton aufeinandertreffen, wurden die Querschnitte der Stahl- und Betonkästen aufeinander abgestimmt. Durch den Materialwechsel kommt es zu keiner Zäsur in der Geometrie der Brückenquerschnitte, diese gehen vielmehr fließend ineinander über. Die graue Farbgebung der Stahlkästen unterstützt die Wahrnehmung der Brücken als ein zusammenhängendes Bauwerk.

Der Bauherr des Projektes ist die ASFINAG AG. Die Arbeitsgemeinschaft bestehend aus Bernhard Ingenieure ZT GmbH, SOLID architecture ZT GmbH und RWT plus ZT GmbH leiteten das Projekt. Die RWT plus ZT GmbH war für die Tragwerksplanung verantwortlich, sie ist ein Mitglied der Woschitz Group GmbH.

Fotos © Kurt Kuball, Mike Wolf
Text © SOLID Architecture

Information zu Projekt:

Ort
4020 Linz
Bauherr
Asfinag AG
ARGE
Bernard Ingenieure ZT GmbH, RWT plus ZT GmbH, SOLID architecture ZT GmbH
Architektur
SOLID architecture ZT GmbH
Architektur
Bernard Gruppe Holding ZT GmbH
Zeitraum
2018 - 2020
Leistungen
Tragwerksplanung

Umgesetzt mit:

  • RWT Plus